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1. Mai 87

Januar 15, 2013

1. mai87

Band

1. Mai 87 ist eine deutsche Punkband, die im Herbst 1987 in Erkelenz (bei Mönchengladbach) gegründet wurde. Den Namen gab sich die Band aufgrund der Geschehnisse zum Tag der Arbeit in Berlin Kreuzberg, die Pieck und Hoffmann selbst miterlebten. 1987 kam es hier erstmalig zu schweren Ausschreitungen. Man hatte eine Kampagne gegen die bevorstehende Volkszählung organisiert und die Lage wurde generell schon als extrem angespannt gesehen. Zunächst lief das traditionelle Straßenfest in Kreuzberg rund um das SO36 friedlich ab, doch dann kam es zu schweren Ausschreitungen. Eine Dokumentation der Ereignisse findet ihr hier. Zu dieser Zeit war der Boykott der anstehenden Volkszählung eines der politsch im Raum stehenden Themen. Die Band wollte die gesellschaftlichen Zustände in ihren Liedtexten kritisieren und zum Nachdenken anregen.

Die Anfangsformation bestand aus Stefan Pieck (Gesang), Rudi Müller (Gitarre), Oliver Cords (Schlagzeug) und André Hoffmann (Bass). Alle vier Bandmitglieder gingen auf ein Gymnasium in Erkelenz, wo sie zunächst ihre Proben absolvierten, um später in die Garage und dann in einen eigenen Proberaum umzuziehen. Später waren sie hauptsächlich in Köln beheimatet. Ruddi Müller wurde schon Anfang der 1990er durch Sven-Uwe Bange ersetzt. 1996 kam Oliver Berger als neuer Schlagzeuger für Bossems und wurde 1998 wieder durch Tuberkel Knuppertz ersetzt.

1994 nahm die Band ihr erstes Album „Viecher im Leib“ bei Vitaminepillen Records (2006 wiederveröffentlich bei Nix-Gut (NG107)) auf. Die Scheibe ist, auch wenn dies umstritten ist, m. E. ein legendäres Deutschpunk-Album. Mir persönlich gefallen die Lieder „Voll Proll“ (Abrechnung mit allen Prolletenpunks), „Hepatitis B“ und am Ende „Mord bleibt Mord“ sowie   „Sie marschieren wieder“ (Ein sehr schönes Stück gegen Nazis) am Besten. Diese beiden Songs zusammen mit „Wunsch ist Wunsch“ sind von dem ersten 1992 erschienenen Demo Tape mit auf die Platte gekommen. Das letzte Lied, eine Live Version von  „Hass Hass Hass“ wird vielen die 1. Mai 87 noch nicht kennen vermutlich auch bekannt vorkommen. Zumindest wenn sie Egotronic mit „Raven gegen Deutschland“ kennen. „Wir haben euch was mit gebracht…“. Der Anfang von „Voll auf Deutschland“ ist eine melodische Variante von dem Anfang des Liedes „Vaterland“ von Vorkriegsjugend (ca. 1984 erschienen). Ausführliche Plattenkritiken zu dem Re-Release von 2006 findet ihr bei MobilizeOx , RamTatTa und Moloko.

1996 erschien dann die EP Bollebummbasta, die zwei sehr basslastige Stücke enthielt. Diese EP wurde auf Tollshock Records veröffentlicht, da Vitaminpillen das ganze nicht ins Konzept passte.  Fand ich persönlich nicht so berauschend. Mal was anderes, aber muss ich nicht ständig hören. Beide Tracks gehen länger als 6min. Warum eigentlich „Bolle“? Der Spitzname des Schlagzeugers Oliver Berger zwischen 1996-1998 war Bolle und „Bolle“ war auch eine Supermarktkette. Bundesweit bekannt wurde sie dadurch, dass eine ihrer Filialien am 1.Mai 1987 in Berlin Kreuzberg geplündert und danach angezündet wurde.

1996 erschien dann das Livealbum „Rastamannallematanzbeinschwingen“ ausschließlich auf Vinyl. Die Lieder sind eigentlich größtenteils die Gleichen wie auf dem ersten Album nur als Live Version. Von „Hass Hass Hass“ ist hier eine längere 5min Version. „Motorhead“, „WeWadudideibri“ und „Rock-n-Roll“ sind neu. Das ist mehr was für Sammler, zeigt aber auch, wie gut die Band Live war. Ein sehr ausführliches Review gibt es von Mika Reckinnen (ehm. Strafraumpogo-Zine) und bei Ox.

1997 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des 1.Mai.1987 erschien das dritte Album mit dem Titel „Fohlenwurst im Federkleid“ auf Vitaminepillen Records. Auch dieses Album gefiel mir sehr gut. Pogo Pogo mit dem titelgebenden Song und danach mit „Fischerman’s Friend“ eine nette fetzige E-Gitarrenversion des Störtebekers. Ein guter Start, dann wirds wieder ruhiger.  Auch die 2min Punkversion von Bollebumbasta sowie das Lied „N.w.A.“ (Nie wieder Alkohol) gefallen mir. Am Ende wirds ein bisschen holprig, weil dann zu viele unterschiedliche Musikstile zusammengewürfelt werden. „Unser Grouse“ ist eine punkige Coverversion von dem Lied „Rauch-Haus-Song“ der Scherben. Ein Review findet ihr bei Ox.

Das vierte Album erschien 1998 auf Vitaminepillen Records und hies „Wurzel“. Hier wurden die Lieder, die die Band zwischen 1987 und 1990 also zu Beginn (wie der Name schon sagt) geschrieben und gespielt hatte, aufgenommen. Mir gefallen die Lieder „Lass die Haare wachsen“ und „Keine Helden“. Großartiger Weise beinhaltet das vierte Album auch gleich das zweite Album „Rastamannallematanzbeinschwingen“(Live LP) als Bonus Track. Ein Review gibt es auch wieder bei Ox.

Das fünfte und letzte Album erschien im Jahre 2000 auf Tollshock Records und hies dem Ende entsprechend „Rip Off“. Bereits vor dem Herausbringen des Albums war klar, dass die Band zum letzten Mal ins Tonstudio gehen wird. Einige Lieder sind schon bekannt. So gibt es wieder, diesmal eine andere ElectroDub?HipHop-Coverversion des „Rauch-Haus-Songs“ oder „Sie marschieren wieder“. Mein persönlicher Favorit des Albums ist das sehr melodische Lied „Alle Jahre Wieder“. Ansonsten klingt alles etwas rauh. „Mensch auf Abstand“ hört sich z.b. sehr abgehackt an, warum nur? Hier gibts ein Review von Ox.

Am 6.5.2000 löste sich die Band nach einer Abschiedstour auf. Ein Tagebuch der letzten Tour, könnt ihr auf der etwas veralteten aber witzigen Homepage der Band nachlesen. Auch eine große Menge weiterer Reviews findet ihr hier im Reviewarchiv der Band. Stefan Pieck und Sven-Uwe Bange machen mittlerweile Musik mit der Band 2LHUD.

Discography

Wunsch ist Wunsch (Demo Tape 1992)

Nackt durch Jülich (Demo Tape 1993)

Viecher im Leib (CD 1994)

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Bollebummbasta (EP 1996)

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Rastamannallematanzbeinschwingen (LP 1996)

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Fohlenwurst im Federkleid (CD 1997)

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Wurzel (CD 1998)

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Rip-Off (CD 2000)

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From → 1987

5 Kommentare
  1. Im Strafraumpogo #9 gab es auch ein ausführliches Interview mit der Band – erschienen April / Mai 1999. Leider sind die Hefte alle ausverkauft, doch im Archiv der Jugendkulturen in Berlin kann man einen Blick reinwerfen.

  2. Oliver Cords permalink

    Es ist vielleicht unerheblich, aber von 1992-1996 war nicht Ralf Bossems sondern ich Schlagzeuger beim 1.Mai 87. so auch bei den neuen Aufnahmen auf Viecher im Leib. Hinzugefügt wurden einige ältere Aufnahmen mit Ralf an den Drums. Ebenso habe ich bei Rastamannallemaltanzbeinschwingen und beim Tape „nackt durch Jülich Schlagzeug gespielt. Ich weiss nicht warum das auch bei Wikipedia falsch steht. Aber vielleicht hab ich mir das auch nur eingebildet und es ist , wie eingangs erwähnt auch unerheblich.

    Cheers “ der Oli“

  3. Oliver Cords permalink

    Ich erwähns noch mal. Eure Chronik stimmt nicht. Der Schlagzeuger des ersten von 1992 – 1996 war nicht Ralf Bossems. Zur Recherche einfach mal ins Booklet der CD „Viecher im Leib“ einen Blick werfen, bei Wikipedia stehts jetzt mittlerweile richtig.

    Mir ist es eigentlich egal, aber wenn man schon den Anspruch erhebt die Geschichte von irgend etwas aufzuschreiben, sollte man das vielleicht etwas gründlicher recherchieren. Es ist ja schon beinahe lustig wie von der Band verfasste Promotexte aus irgendwelchen Interviews, quasi ein 1/4 Jahrhundert später durchs Netz geistern. Das ist aktive Legendenbildung. 🙂

    Vielleicht doch etwas mehr mit dem Hier und Jetzt befassen.

    Mal sehen ob das auch gelöscht wird,

    Oli [ ex drummer 1. Mai 87 1992 -1996]

  4. Hallo Oli,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Habs geändert. Hatte den ersten Beitrag nicht gelöscht. Hatte mich nur nicht mehr um den blog gekümmert, weil ich keine Zeit hatte.

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  1. 2LHUD | Die Punk Chronik

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